Oktoberfest München 2009

Es dürfte mittlerweile weltweit bekannt sein, dass das Oktoberfest der größte „Baggerplatz“ der Welt ist. Die Einheimischen haben einen Spruch dafür: „A bissl wos geht immer“, was nichts anderes heißt, als dass auch der nicht so vorteilhaft Aussehende jemanden aufgabeln kann. Es ist ebenfalls ein Fest, das jeden tief in die Taschen greifen lässt, denn das Wort billig ist ein Fremdwort auf dem Oktoberfest.

In München selbst herrschen nur zwei Meinungen vor: Die einen fliehen vor dem Oktoberfest und die anderen, so wie ich, können es kaum noch erwarten, bis aus dem „Schottenhamel“ die Worte „Ozapfd is“ erklingen.

Noch ein Tipp: Wenn du in München vor hast bei einer Firma zu arbeiten, dann frage, ob diese Firma auch auf das Oktoberfest mit ihren Angestellten geht.
Warum?
Weil eine Firma, die ihre Angestellten aufs Oktoberfest einlädt, eine Firma ist, in der zwar viel gearbeitet wird, wo aber auch der Spaß nicht zu kurz kommt. Firmen die ganz entsetzt sagen: „Wir gehen nicht auf das Oktoberfest“. Da weiß man einfach im Voraus, dass in dieser Firma eher Kopflastig gearbeitet wird und das Wort Vergnügen ein Fremdwort darstellt. Dort wird zum Lachen in den Keller gegangen. Woher ich das weiß? Ich habe in München über 20 Jahre Berufserfahrung und ich hatte 3 Mal das Pech in einer Firma zu arbeiten, die nicht auf das Oktoberfest ging. Ich mag keine Firmen, bei denen ein Lächeln am Telefon bereits als unseriös empfunden wird.

Für die U-Bahnen zur Theresienwiese werden die lustigsten U-Bahn-Fahrer eingesetzt. Da heißt es dann schon mal: „Jetzt machen wir erst das dritte Mal die Tür auf und wieder zu. Mir macht das nichts aus, denn ich werde ja dafür bezahlt, aber werden Sie das auch?“ Oder die U-Bahn-Fahrer lassen megalustige Sprüche vom Stapel.

Dann ist man in der überfüllten U-Bahn unterwegs und man hört schon allerlei Sprachen. Und wenn sich dann die U-Bahn-Türen zur Theresienwiese öffnen… Dann drängt es mich nach oben und hinein ins Gewühl. Der Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln wabert durch die Luft. Die Musik der Schaustellergeschäfte begleitet das Treiben.
Es ist eine Schau.
Die Dirndln sind so schön und bunt, wie die Flügel eines Schmetterlings. Sie leuchten in den tollsten Farben. Wobei ein Dirndl ein sehr vielseitiges Kleidungsstück ist. Es bringt alle Vorteile einer Frau auf das Wohlgefälligste zur Geltung. Es ist sexy. Es ist süß. Es ist weiblich und es ist edel. Es macht aus einer Frau eine Frau. Egal wie viele Pfunde eine Frau auch auf die Waage bringen mag, ein Dirndl ist das perfekte Päckchen für die Pfunde. Sofern sie sich nicht zu einem Minidirndl hinreißen lässt und darin wie eine fast platzende Pellwurst aussieht – schon öfters mit eigenen Augen gesehen. Wobei man einem solchen Anblick doch eher selten ausgesetzt wird.

Die nachfolgenden Dirndln sind von Trachten Angermaier aus München

Trachten Angermaier 2009

Die einen lachen darüber, die anderen nehmen es bierernst. Aber es gibt auch für das Schleifen binden am Dirndl eine Aussage:
Schleife links gebunden: Du bist Single
Schleife rechts gebunden: Du bist vergeben
Schleife vorne gebunden: Du bist Jungfrau (führt generell zu Lachern)
Schleife hinten gebunden: Du bist verwitwet

Ich habe vor Jahren einen Mann auf dem Oktoberfest darauf aufmerksam gemacht, dass die Dame, mit der er auf Teufel komm raus flirtet, ihre Schleife rechts trägt und sie somit vergeben ist. Er lachte und meinte: „Na umso besser“.
Noch heut muss ich über diese Aussage lachen. Also überlege dir, wie du auf die Männer, die sich mit dem Schleifen binden auskennen, wirken möchtest. 😉

Dieses Jahr war es zum ersten Mal, dass alle zwei Wochen Oktoberfest schönes Wetter war. Normalerweise, das wissen eingefleischte Wiesengänger: Eine Woche ist schönes Wetter, meist die erste Woche und die zweite Woche ist Siffwetter angesagt. Kalt, regen, ekelig, einfach bäh. Aber das hält niemanden davon ab, auf die Wiesn zu geh’n. Wiesn, so sagen die Münchner dazu.

Als fleißiger Wiesngänger weiß man, dass einem bereits ab Mittag die Besoffenen entgegentorkeln, sofern sie überhaupt noch in der Lage sind aufrecht zu gehen. Wie oft höre ich den Satz: „Auf dem Oktoberfest da sind so viele Menschen und die ganzen Besoffenen… Nein, da mag ich nicht hin.“ Sagen wir es einmal so: Bei ca. 6 Millionen Menschen, die jährlich innerhalb von ca. 16 Tagen das Oktoberfest besuchen, wenn da wirklich die Menschen mit den unangenehmen Aussetzern 2% ausmachen, dann sind das zwar in der Summe viele Menschen, aber ein Klacks gegen den Rest zu den 6 Millionen Menschen, die einen Megaspaß haben.

Dieses Jahr war ich zum Beispiel einmal im Hackerzelt an einem Tisch gesessen, da dem drei aus Südafrika, zwei aus London und einer aus Zypern saßen. Sie sind Freunde und haben sich extra auf dem Oktoberfest getroffen. Als Erkennungszeichen hatten sie schwarze T-Shirts anfertigen lassen mit den Jahren, die sie bereits auf dem Oktoberfest verbracht hatten. Inzwischen sind sie das zehnte Jahr auf der Wiesn.
Was hatten wir alle für eine Gaudi!

In München gibt es ja angeblich fünf Jahreszeiten, aber eigentlich sind es sechs Jahreszeiten:
Frühling
Starkbierzeit (während der Fastenzeit)
Sommer
Herbst
Oktoberfest
Winter

Aber es gibt auch allerhand Kurioses auf dem Oktoberfest zu entdecken, wenn man die Augen offen hält. So gesehen im Hippodrom oben auf der Galerie.

Oktoberfest München 2009

Wussten Sie schon, dass man Bänke besteigen kann? Ich wusste bisher nur, dass man andere Sachen besteigen kann. Und ist Deutsch nicht eine wundervolle Sprache?

Apropos Sprache, sieh dir doch Gaudihalber einmal das Wiesnlexikon an: http://www.oktoberfest.de/de/lexikon/

Oder höre dir die Wiesnhits 2009 an http://www.oktoberfest-live.de/musik/wiesn-hits/wiesn-hit-voting-oktoberfest-433013.html oder hier:
http://www.oktoberfest-live.de/mittendrin/wiesn-hits/index.html;jsessionid=F20DA71B6C60D86796A1C934A3B8A70C

Wobei „So a schöner Tag“ (Fliegerlied), „Cowboy und Indianer“, „Das geht ab“ und „10 Meter gehen“ wohl zu den meist gespieltesten Hits gehören dürften. Denn diese Lieder habe ich oft mitgesungen und auf der Bierbank mitgetanzt. Natürlich kenne ich auch alle Bewegungsabläufe zu diesen Songs.

Ein Wiesnhit, bei dem sich die Geister scheiden – nicht weitersagen, dass ich da auch fleißig mitsinge – ist „Joana“. Denn in dieses Lied werden noch drei zusätzliche Wortgebilde eingebaut: „Du geile Sau“, „du Luder“, „du Drecksau“. Klar, wird dieses hochromantische Lied dadurch verhunzt, aber was soll’s. Singt einfach mal dieses Lied mit zehntausend anderen biergeschwängerten Kehlen mit und das Lied wird euch gefallen. Versprochen!
Hier live und in Farbe und mit genauem Text http://www.box14.de/songs/joana.php

Als Münchner geht man nicht ins “Hofbräu-Festzelt“. Warum nicht? Weil allen ausländischen Besuchern das Hofbräuhaus ein Begriff ist und sie deshalb dieses Zelt erstürmen und eines kann ich sagen (ich war mal mit ausländischen Bekannten in diesem Zelt), dort wird wirklich gesoffen was das Zeug hält. Da steigen dann schon die besoffenen Weiber (hier wähle ich absichtlich diesen Begriff) auf den Tisch und ziehen ihre Bluse und noch mehr aus. Was unter heftigem Gegröhle aufgenommen wird. Aber ich fürchte, so besoffen werde ich wohl nie werden, als dass mir das passieren, geschweige denn gefallen würde.

Die Festzelte finden Sie hier: http://www.oktoberfest.de/de/ressort/gro%C3%9Fe+zelte/

Der „Schottenhamel“ ist das Zelt für das Jungvolk. Im „Hackerzelt“ (eigentlich Hacker-Pschorr) ist das Publikum gemischt. Von jung bis alt, von arm bis reich und von Münchnern bis hin zu aller Herren Länder.

In der „Bräurosl“ ist jeden zweiten Wiesnsonntag das Zelt im Ausnahmezustand, dann treffen sich dort die Schwulen und Lesben. Vor ca. zehn Jahren wusste ich das noch nicht und ich ging mit einer Freundin durch dieses Zelt. Es war unglaublich inspirierend und sehr lustig. Dort haben wir zwei Männer aus Montreux kennen gelernt, die es auch aus Versehen in dieses Zelt verschlagen hatte. „Sie fragten in gebrochenem Deutsch: „Seid ihr auch so?“ Ich musste so lachen und meinte: „Nein. Und ihr?“ Sie waren auch nicht „so“. Nicht, dass einer von uns etwas gegen Schwule oder Lesben hätte, aber auf der Wiesn möchte man ja als Hetero doch gerne mit dem anderen Geschlecht flirten. Und es war der Beginn einer nun sehr langen Freundschaft. Die Gegeneinladungen nach Montreux zum Jazz-Festival habe ich mit einer Freundin nun auch schon zwei Mal angenommen.

Die „Ochsenbraterei“ war bis letztes Jahr eher für die ruhigeren älteren Herrschaften DAS Zelt. Voriges Jahr waren die Zelte meist fast alle geschlossen, wenn ich auf das Oktoberfest ging, nur in der Ochsenbraterei hatte ich eine Chance reinzukommen. Es war so fad!!! Die Musik hat vielleicht drei langweilige Songs gespielt und dann eine halbe Stunde Pause gemacht. Klar, dass das nicht sehr stimmungsfördernd ist. Das hat sich seit diesem Jahr geändert. Bekannte hatten einen Tisch dort bestellt und von 19:30 bis 23:00 Uhr hat die Band nur eine kurze Verschnaufpause eingelegt und die ganzen Wiesnhits rauf und runter gesungen. Was hatten wir für ein Glück. Wir waren zwei Frauen an einem Tisch mit achtzehn Männern. Und mindestens fünf davon waren Prachtburschen. Eh klar, dass das Flirten nicht zu kurz kam.

Im “Hippodrom“ und im „Käferzelt“ heißt es sehen und gesehen werden. Dort wird bevorzugterweise Schampus getrunken. Und die Dirndl sind nicht von der Stange sondern von Designern.

Während man bis vor ein paar Jahren erst nach 23:00 Uhr ins „Weinzelt“ging, nämlich, wenn die anderen Zelte schlossen, geht man heute auch schon tagsüber ins Weinzelt. Die Musik dort ist der Hammer! Und die Stimmung kocht auf dem Höhepunkt dahin, bis auch dieses Zelt um 24:00 Uhr schließt.

Und das war mein Wiesndirndl für 2009.

Oktoberfest

Oktoberfest München 2009

Falls dir die Halskette gefällt, die kannst du hier bestellen: http://trachtenherz.de/

Was mein absoluter Tipp für das Oktoberfest ist? Geht niemals an einen Tisch, an dem die Leute unter ca. zweiundzwanzig Jahre alt sind. Warum? Die wissen leider noch nicht, was ihr Körper an Starkbier verträgt. Da ist es schon die Regel und nicht die Ausnahme, dass bis zur ersten Maß alle noch recht lustig sind. Dann nach der zweiten Maß werden sie so besoffen, dass sie auf der Bierbank die Maß in der Hand behalten und beim Schunkeln das teure Gesöff über die umliegenden Herrschaften verschütten. Außerdem bekommen sie auf der Bierbank Ausfallerscheinungen. Sie fallen über die Biertische und/oder die Bänke dahinter und werfen die Maßn um. Der Tisch und die Bierbank sieht aus, als hätten Schweine dort gehaust und dann schlafen sie entweder stockbesoffen am Tisch ein und die Krönung: Mindestens einer kotzt über alles, was bei drei nicht aus dem Weg ist. Ein wirklich toller Anblick, den man nicht unbedingt braucht.

Noch ein Tipp: Den finde ich am lustigsten. Wenn zirka dreißigjährige als Paare am Tisch sitzen, dann kann man sich da getrost dazusetzen. Denn zuerst sind alle noch recht lustig und spätestens nach der dritten Maß wird einer der Partner eifersüchtig und es wird geweint, geschrieen und gestritten. Am Schluss gehört der Tisch dir, denn das Paar zieht entweder miteinander oder nacheinander ab und die Freunde die dabei sind, ziehen auch mit. Wenn man also zu mehreren auf die Wiesn geht, sollte man sich solche Tische aussuchen, wenn es keine Plätze mehr gibt. Denn nach ein paar Stunden ist es dein Tisch. 😉 Hat bei mir bisher wunderbar funktioniert.

Übrigens das Unwort für die Wiesn ist meines Erachtens dieses Jahr „Vorglühen“. Das heißt die Leute treffen sich vor der Wiesn zum Saufen und brauchen dann nicht mehr so teuren Stoff auf der Wiesn kaufen. Sie werden durch das Vorglühen auch so besoffen. 😉

Das war der Wiesnausflug 2009 mit Aveleen Avide.
Aveleen Avide auch bei Twitter: http://twitter.com/aveleenavide

In eigener Sache: Spätestens am 02. November 2009 wird „Heiße Bescherung“ veröffentlicht. Wenn ich ganz viel Glück habe, dann kommt es vielleicht wieder an meinem Geburtstag auf den Markt. Das wäre doch wieder mal ein tolles Geburtstagsgeschenk von mir für mich.

In „Heiße Bescherung“ ist auch eine erotische Geschichte von mir. Dort werde ich mit Größen wie Sophie Andresky und Corinna Rückert veröffentlicht.

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Anonym

Ich hatte dieses Jahr meine erste Wiesn.
Mit sehr vielen Vorurteilen bin ich hin gegangen.
Natürlich wurden manche bestätigt.
Aber ich muss all deinen Aussagen zustimmen, von den Betrunkenen bis zu den Dirndln.
Auch die modernen, langen Lederhosen finde ich sehr kleidsam.
Ich bin 41…konnte das Starkbier aber auch nicht einschätzen. Es hatte auf mich einen Tequilla-Effekt…erst merkt man nichts, dann schlägt es urplötzlich voll ein.

An einem Wochenende würde ich wohl weiterhin nicht hingehen wollen, aber insgesamt würde ich einen Besuch gerne wiederholen.

PS: Sehr hübsches Dirndl…

Aveleen

Danke Melander. Ich freue mich, dass jemand meine Aussagen bestätigen kann und vor allem, dass dir mein Dirndl gefällt.

Gruß
Aveleen

Anonym

Das Dirndl unterstreicht aber nur die Schönheit der Trägerin in diesem Falle.

Lieben Gruß nach München und viel Erfolg mit dem Buch!
Melander

ChristineL

Ich kann mir leider bislang kein Urteil über die Wiesn machen, aber ich hoffe, dass ich es in diesem Jahr schaffe dort hin zu kommen. Ich bin sehr gespannt welche Erfahrungen ich dort mache und was ich von alle dem was ich hier gelesen habe zustimmen kann. Leider dauert es noch eine Weile, aber der Oktober kommt schneller als man glaubt.

Aveleen

Hallo Christine,

ach, ich kenne so viele, die zum ersten Mal zum Oktoberfest gehen und die dann unbedingt immer wieder hin wollen. Wenn man allerdings introvertiert ist und mit Massenbelustigung und big Party nichts anfangen kann, dann wird es eher unwahrscheinlich sein, dass es einem dort gefällt.
Gruß
Aveleen

Nadine-63

Ich finde deinen Artikel über das Oktoberfest sehr gut. Seit ich laufen kann war ich fast jedes Jahr auf dem Oktoberfest. Im Artikel ist alles enthalten was man so über die Wiesn wissen sollte. Kein Artikel der Welt kann aber die vielen schönen Erlebnisse auf dem Oktoberfest ersetzen.

Aveleen

Liebe Nadine,

ich gebe dir vollkommen Recht. Man muss es selbst erleben…
Gruß
Aveleen